Otto Placht über Amazonien

Im Regenwald in Peru

“Der Regenwald in Peru wird auch Oberes Amazonien genannt und erstreckt sich unterhalb der östlichen Hänge von den Anden – bewohnt von vielen Indianerstämmen. La Selva Peruana ist für manche Peruaner eine Gegend „ohne Geschichte und ohne Kultur“. Vielleicht darum, weil sich diesem Territorium lange Zeit die Bestrebungen von Kolonisatoren fernhielten. Das Territorium war unzugänglich, wenig einladend und gefährlich.

Es war eine andere unter Baumkronen abgeschlossene Welt.

die Welt wurde von vielen Indianderstämmen bewohnt

Dennoch wurde diese Welt im Regenwald in Peru – in Amazonien – von vielen Indianerstämmen bewohnt, deren Traditionen niemals vollständig bekannt und aufgenommen wurden und nur in mündlicher Form von nomadischen Erzählern vermittelt wurden. Die Geschichte hinterließ uns nur wenige unvollständige Informationen, weil der Dschungel im Laufe der Zeit alles verschlang. Ebendeswegen bleibt vielleicht in der Gesinnung einiger Eingeborener eine solche Meinung über die einheimische Kultur bis heute erhalten. Archäologische Funde, die an die Ruinen der ausgestorbenen präkolumbianischen Zivilisationen oder an die in dichter Vegetation verloren gegangenen Petroglyphen erinnern, kommen nur selten vor.

faszinierende Aspekte der bildenden Kunst in Amazonien

Greifbar ist nur die belebte Natur, die mit einer solchen Intensität und Geschwindigkeit all das überwuchert und verschlingt, was Menschen hinterlassen. Dennoch können wir, in diesem Gebiet Amazoniens, faszinierende Aspekte der bildenden Kunst, wie Keramik und Textilien, finden. Die liegen nur auf der Oberfläche der Indianerkultur, die jedoch in einer tieferen Perspektive eine reiche und komplexe Kosmovision offenbaren.

Die spirituelle Welt der wilden Einheimischen ist somit eigentlich das wertvollste kulturelle Erbe Amazoniens.

Obwohl sie nicht greifbar ist, bietet sie uns immer wieder die Möglichkeit mit ihr in Kontakt zu treten und ihre Gaben zu unserem Vorteil anzubieten. Das ist die Information, die von der Indianertradition und der Weisheit der Vorfahren erhalten wird. Diese Erfahrung macht jeder, dessen Auffassung von der Prägung materialistischer Werte der westlichen Zivilisation befreit ist und der den Mut hat sich der wilden, faszinierenden und transformativen Energie des Dschungels Amazoniens zu öffnen. Da diese Welt der Verbundenheit zwischen Mensch und Natur so zerbrechlich ist, ist sie in der heutigen Zeit wegen der Habgier der modernen Konsumgesellschaft in Gefahr.

der Regenwald und unsere eigene Existenz ist in Gefahr

Die Rodung des Regenwaldes bedeutet nicht nur das Verschwinden eines einzigartigen Biotops und dessen natürlicher Biodiversität, sondern auch die vollständige Ausrottung von etwas noch Wertvollerem. Nämlich der eigenen Existenz die sich eigentlich im Einklang mit der Natur befinden sollte.

Ich weiß, dass diese Interpretation so wie naive Romantik klingt. Meine Meinungen zum Leben in der Wildnis haben sich innerhalb der Jahre geändert, als ich in Amazonien verweilte.

Das Leben im Urwald ist kein romantisches Abenteuer, obwohl man manchmal glauben könnte, dass man sich in einem Traum befinden würde.

die brutale Energie des Fortschritt tritt den Indianderstämmen mit ihren Traditionen gegenüber

Ich bin mir jedoch sicher, dass das, was in der heutigen Zeit die ursprüngliche Urwaldlebensweise ersetzt, eine viel größere Bedrohung für das menschliche Überleben ist, als eine giftige Schlange, Spinne oder ein hungriger Jaguar. Heutzutage trifft im peruanischen Amazonien die Kultur der Ureinwohner mit der brutalen Energie des Fortschritts aufeinander und schafft eine schmerzhafte Realität der Gegenwart. Die Urwelt des Dschungels ist für sie ein Überbleibsel des schwierigen Lebens von Ahnen, deren Wissen, wie im Dschungel zu überleben, vergessen worden ist. Die vernichtete Umwelt, der eindringenden Zivilisation, gibt ihnen nicht einmal die Möglichkeit sich solche Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.

Wie kann diese Zivilisationskrankheit wieder gesund gemacht werden, die leider alle ähnlichen Gebiete in der Welt befallen hat?

Es bleibt nur noch Hoffnung, dass wir einen Weg finden, der uns durch den Dschungel des menschlichen Unbewussten zum Bewusstwerden der magischen Macht und Entdeckung der eigenen Natur führt.

Wanderung zwischen den Welten

In meinem Leben habe ich den Weg zu ihr in Bildern und bildender Kunst gefunden, die mich auf der Wanderung zwischen den Welten begleitet haben. In der Welt von Indianermythen und Legenden und die die Herzen der Menschen geöffnet haben, mit denen ich verweilte.“

Otto Placht, zum Projekt „Zwischen den Welten“, 2016

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